Bauherr:
Familie Roeser

Bauzeit:
2001-2002

Mitarbeit:
Carola Sigel
Annemike Banniza

Denkmalpflegerische Beratung:
Dr. Tilmann Heinisch

Photographien:
Hans W. Mende

Tragwerksplanung:
Dierks, Babilon, Voigt, Berlin

TGA:
Ingenieurbüro Thomas, Berlin
Intro Krausnickstraße

Mietshaus Krausnickstraße

Sanierung eines Wohnhauses in der Spandauer Vorstadt

Vorgefunden hatten wir auf dem Grundstück Krausnickstrasse 15, in der Spandauer Vorstadt gelegen, ein Gebäude mit einer recht rauh verputzten, schmucklosen Front zur Strasse. Stellenweise war der Putz abgefallen, so dass ins Mauerwerk geschlagene, horizontal und vertikal verlaufende Fugen sichtbar wurden. Das Türgewände der Eingangstür sowie das Brustgesims waren ebenfalls grob überputzt, lediglich der Sockel mit Gesims und das äußere Entrée ließen feinere Gliederungen erkennen. Ein Hauptgesims fehlte. Da die Fassade keine weiteren Putzgliederungen hatte, beabsichtigten wir zunächst einen glatten Verputz, allerdings aus reinem Kalkputz, herstellen zu lassen.
Auf einen Anstrich wollten wir unbedingt verzichten. Die Farbigkeit der Fassade sollte ausschließlich über die Zuschlagsstoffe zum Kalk erreicht werden. Uns schwebte eine rötliche Tönung vor. Ein zugesetzter Ziegelsplit ergab eine schrille, hellrote Farbe, erst der Zuschlag eines lachsfarbenen Marmorgrieses erzielte die gewünschte fahle auberginenartige Farbigkeit. Die Abnahme des gesamten Putzes ließ mindestens drei weitere Überformungen des Gebäudes sichtbar werden.

Zur Aufnahme einer Bossierung der Fassade in den oberen Geschossen waren über die gesamte Fläche Fugen in horizontaler und vertikaler Richtung geschlagen worden. Die Kanten an den Fensterleibungen waren abgeschrägt. Dies ist augenscheinlich nachträglich geschehen, vermutlich in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Maß für die einzelnen Bossen fanden wir in einem Erker im 1. Obergeschoss, welche wiederum in einem noch späteren Umbauprozess angebracht worden sein müssen.

Feinere Putzgliederungen, gleichsam wie aufgemalte Fugen, wurden im Bereich des Hochparterres sichtbar, die in runden Bögen in horizontale Fugen übergehen. Allerdings sind diese Bögen flacher als diejenigen der Fensteröffnungen, so dass davon auszugehen ist, dass die Oberlichter der Fenster in einem Umbauprozess höher gestelzt worden sind. Über der Eingangstür ist im Mauerwerk noch ein runder Bogen erhalten, weil die Türöffnung mit niedriger angesetztem Bogen umgebaut wurde.
Gleichzeitig sind die Eingänge zum Souterrain über eine Vorlage, eine Verdachung und ein kräftiges Gesims mit den darüberliegenden Fenstern des Hochparterres zusammengefasst worden. Die Abnahme des Sockelgesimses ließ das Gesims der ersten Fassung zum Vorschein kommen, welches ohne jegliche Verkröpfung bis zur Öffnung der Eingangstür durchgeführt war.

Nicht zuletzt aus bautechnischen Gründen nahmen wir Abstand von dem Vorhaben, die Front des Gebäudes glatt zu verputzen. Im vorgefundenen Putz waren in den Fugenbereichen Risse zu erkennen, die Schrägen an den Leibungen hätten ausgemauert werden müssen oder man hätte allerlei Hilfskonstruktionen einbringen müssen, was unsere Sache nicht ist.

Das Hochparterre ist glatt verputzt, die feinen Fugen im Sockelbereich sind wiederhergestellt. Die ursprüngliche Fassung des Sockelgesimses ist herausgearbeitet, allerdings ist es nur bis an das später angebrachte Türgewände geführt, welches wir erhalten wollten.

Aus tektonischen und aus städtebaulichen Gründen erhielt das Gebäude einen Sockel, der Souterrain und Hochparterre zusammenfasst, in einer Höhe, dass die bossierte Front gleichsam auf ihm ruht. Das neu entworfene, kräftige Hauptgesims bildet den Abschluss, ist ausladend Teil des Straßenprofils und bindet den Bau ein in die Horizontlinie, die von den Gebäuden der Strasse vorgegeben ist.